Sony Tablet P
Ab und zu wagt ein Hersteller ungewöhnliches und sticht aus dem Einerlei des Tablet-Marktes mit mutigen Design-Entscheidungen heraus. Sony gehört eindeutig zu diesen Herstellern wie das Tablet P eindrucksvoll beweist. Lassen sich die meisten Tablets aufgrund ihrer Displaygröße nur schlecht transportieren, kann man Sonys mutiges Konzept-Tablet einfach zusammenklappen.
Technische Ausstattung
Bislang gelten Displaygrößen von 7 Zoll, 9,7 Zoll oder 10,1 Zoll als Standard bei Tablets. Einige Modelle setzen auf kleinere 5 Zoll oder handliche 8,4 Zoll. Sony verbaut im Tablet P gleich 11 Zoll und bietet so rein technisch gesehen die größte Eingabe- und Wiedergabefläche. Allerdings teilt der japanische Hersteller die 11 Zoll in zwei Bildschirme zu je 5,5 Zoll Diagonale auf und ermöglicht sogar das Zusammenklappen des Tablets. So lässt sich das Tablet P bequem transportieren, wer früher einen Nokia Communicator sein Eigen nannte dürfte sich mit den Ausmaßen des Gerätes bereits auskennen. Mit nicht einmal 400 Gramm fällt zudem das Gewicht des Tablets recht niedrig aus.
Für ausreichend Rechenleistung sorgt dabei Nvidias beliebter Tegra-2-Prozessor. Dessen zwei Rechenkerne takten mit einem Gigahertz und bieten mit der Geforce ULV eine recht leistungsstarke GPU für Spiele und grafisch anspruchsvolle Anwendungen. Als Betriebssystem setzt Sony Android in Version 3.2 ein.
Jeder der zwei 5,5-Zoll-Bildschirme löst mit 1024 x 480 Bildpunkten auf, was zusammen gerechnet zwar eine recht beachtliche Auflösung ergeben würde, im Alltag aber zu Problemen führt. Doch dazu mehr im Absatz „Vor- und Nachteile“. An der Frontseite verbaut Sony eine für Videotelefonie gedachte 0,3-Megapixel-Webcam, auf der Rückseite befindet sich ein Modell mit 5 Megapixeln. Hinter eine Abdeckung sitzt ein Speicherkartensteckplatz für Micro-SD-Speicherkarten. So lässt sich der von Haus aus viel zu kleine Speicher von nur 2 Gigabyte auf bis zu 34 Gigabyte erweitern. Zum Datentausch eignet sich die Speicherkarte hingegen eher nicht, zum Tausch muss das Tablet ausgeschaltet und eine Abdeckung abmontiert werden – fummelig. Praktisch hingegen ist die Entscheidung der Sony-Techniker, den Akku als wechselbares Element zu verbauen. So lässt sich für längere Reisen auch ein Ersatzakku mitnehmen und auch ein Akkudefekt verliert enorm an Schrecken. Ebenfalls löblich ist das Vorhandensein eines USB-Steckplatzes für Speichersticks und Eingabegeräte.
Unterwegs bleibt man mit dem Sony Tablet P dank integriertem 3G-Mobilfunk mobil. Für das heimische Netzwerk ist natürlich auch WLAN integriert – Sony setzt hier zwar auf den modernen Standard IEEE802.11n, realisiert aber nur die kleinste Ausbaustufe mit maximal 72 Megabit pro Sekunde. Fürs Internet und auch für Videostreams reicht die Geschwindigkeit dennoch aus. Als Nahbereichsfunk ist zudem Bluetooth implementiert, so dass sich auch kabellose Headsets, Tastaturen und andere Eingabegeräte verbinden lassen.
Vor- und Nachteile des Sony Tablet P
So pfiffig die Lösung mit den zwei zusammenklappbaren Bildschirmen auf den ersten Blick auch wirken mag, so unpraktisch erweist sie sich im Alltag. Anwendungen nutzen entweder nur den oberen Bildschirm oder zeigen ein geteiltes Bild. Für die alleinige Arbeit ist ein einzelnes Display allerdings zu klein und löst mit nur 480 Bildpunkten „nach unten“ auch zu niedrig auf. Viele Anwendungen sind für 600 oder 800 Bildpunkte optimiert, teilweise fehlen ganze Eingabebereiche. Werden Videos über beide Bildschirme hinweg dargestellt, stört hingegen die Trennung zwischen den Displays. Sinnvoll ist ist hingegen die Nutzung des unteren Bildschirmes als virtuelle Tastatur, allerdings bleibt für die eigentliche Anwendung im oberen Fenster weiterhin weniger Platz zur Verfügung als bei gängigen Tablets mit nur einem Bildschirm. Anwendungen könnten zwar speziell für den Dual-Screen-Betrieb optimiert werden, allerdings dürfte kaum ein Hersteller den Aufwand einer speziellen „Tablet-P-Version“ auf sich nehmen. Herkömmliche Android-Apps funktionieren mehr schlecht als recht auf der geteilten Bildschirmlösung.
Fazit
Gut gemeint, schlecht durchgeführt. Sony bietet mit dem Tablet P zwar ein interessantes und unbestreitbar gut zu transportierendes Klapp-Tablet an, übersieht aber die Softwareprobleme. Jeder Bildschirm bietet für sich betrachtet eine zu geringe Auflösung, zusammen gesehen stört die Trennlinie in der Mitte. Angepasste Anwendungen wird es voraussichtlich nur wenige geben, die Vorteile des Tablets dürften daher nur in wenigen Fällen wirklich zum Tragen kommen. Zwar bietet das Tablet P ausreichend Rechenleistung, eine hochwertige Verarbeitung und ein spannendes Konzept – dafür geizt Sony aber mit dem Flash-Speicher. Zwei Gigabyte (plus zwei weitere in Form einer mitgelieferten SD-Karte) sind aus heutiger Sicht viel zu wenig – Playstation-Spiele aus Sonys hauseigener Playstation-App benötigen beispielsweise bereits bereits 700 Megabyte, Filme aus Sonys Moviestore schlagen sogar mit 1,5 Gigabyte zu Buche. Selbst mit einer 32 GB großen SD-Karte aufgerüstet dürfte der Speicher zu schnell gefüllt sein. Abschreckend wirkt zudem der hohe Preis von 600 Euro.